Ich kann gar nicht sagen, dass ich immer schon eine enge Beziehung zu Hunden hatte. Als Kind hatte ich keinen Hund, wir spielten aber mit Bingo, einem Terrier-Mix aus der Nachbarschaft. Naja, das war erstmal einfach so, da hat nichts „Klick gemacht“. Und als junger Mann bin ich auch von einem Schäferhund gebissen worden. Fand ich jetzt auch nicht so toll. Hat mich aber auch nicht abgeschreckt. Das war halt ein blöder Hund.

Hund wäre nett, hatte aber lange nie so richtig in mein Leben gepasst. Vor über 25 Jahren, dann doch: Cicero vom Bobo, genannt „Dash“, ein Flat-Coated-Retriever. Wir wollten ihn ja nur mal ansehen und dann kam das kleine Zwurgel aus dem Stall gelaufen, voller Sägespäne. Da war es klar – unserer!

Acht Jahre später erlösten wir ihn, er hatte einen schweren Herzfehler. Er hatte sicher eine sehr schöne Zeit aber zuletzt auch eine, auf die er gerne verzichtet hätte. Er wurde zum Trennungshund – es war ihm deutlich anzusehen, dass es ihm lieber gewesen wäre, er hätte nicht zwei Zuhause.

Das war eine schöne Zeit, ein toller Hund – später eine schwierige Zeit, immer noch ein toller Hund. Kein Hinweis darauf, dass Hund einmal zu einer Berufung werden könnte.

Was ist so alles geschehen in der Zwischenzeit? Ich bin seit 1998 selbstständig, nachdem ich auf Führungsebene in einem Großunternehmen gekündigt habe. Bin Trainer, Berater, Coach – ich moderiere. Mal läuft es besser, mal weniger. Aber es ist das, was ich machen will, was ich gut kann. Und doch gibt es auch Aufträge, die Arbeit ohne viel Herzblut sind. Ich finde, das ist in Ordnung und bietet eine gute Basis sich zu entwickeln.

2005 lerne ich Antonietta kennen und lieben, wir ziehen zusammen und sind in der Zwischenzeit über 10 Jahre verheiratet. Einen Hund könnten wir uns schon vorstellen, das würde uns gefallen. Wir sind beide berufstätig, den ganzen Tag außer Haus. Vorstellung ist das Eine, Realitäten sind das Andere. Es ziehen zwei Katzen bei uns ein.

Habe ich schon erzählt, dass ich zu Katzen vorher gar keinen Bezug hatte und mir heute nicht sicher bin, ob ich mehr der Katzen- oder Hundetyp bin? Mir gefällt ein „sowohl-als-auch“ hier am besten. Ich muss mich nicht entscheiden.

10 Jahre später sind wir in Süditalien, der tatsächlichen Heimat meines Schwiegervaters und der heimlichen Heimat von Antonietta. Sie hat die Geschichte vom Hund auf dem Balkon ja in einem Ihrer Blogs beschrieben. Aber das „Klick gemacht“ für mich war dann eine ganz eigene Situation. Wir fahren ans Meer, sie erzählt mir von dem Gedanken, dass die Hunde hier eine HuTa brauchen und sagt noch etwas: „Könntest du dir vorstellen, dass wir irgendwann mal hier in Italien leben?“ Das war das Klick, auch wenn mir es erst später klar wurde, dass dies der Moment war.

Die Reise begann.

Ja, ich konnte mir alles Mögliche vorstellen, aber ganz besonders etwas mit Hund und vielleicht auch eine Zukunft in Italien. Auch vor dem Moment schon, aber jetzt: „Klick“.

Wir begeben uns auf unsere Reise, beginnen letztendlich eine Hundetrainerausbildung ohne einen Hund zu haben. Aber wir machen das zusammen, unser Weg. Mal sehen, wo er hinführt. Plötzlich hat auch ein Hund bei uns im Leben Platz und Paolo zieht ein. Mit seiner Vorgeschichte lässt er uns wachsen. Klar sind wir in der Zwischenzeit Hundetrainer und versuchen ihn auch mit Training zu unterstützen. Und wir erkennen, dass Training wichtig – die Beziehung zum Hund aber die Basis ist, ohne die ein Training nicht viel bewirken kann. Jedenfalls nicht so, wie ich mir das Leben mit einem Hund vorstelle.

Und nun lebt Paolo bereits über zwei Jahre bei uns, der Hund, den wir brauchen. Dash war einfach (zumindest in meiner Erinnerung), Paolo lässt mich wachsen.

Und heute? Wir haben nur noch Hund im Kopf, die erwachsenen Kinder finden das irgendwie schräg. Es haben sich bestimmte Themen etabliert, bei mir beispielsweise die Verbindung zwischen meinem „Menschen-Trainer“ und meinem „Hunde-Trainer“. Ich versuche hier den „Cross-over“.

Ja, Hund ist nun auch eine Berufung für mich geworden. Keine Ahnung, wo das hinführt. Angekommen bin ich noch lange nicht, aber auf einem Weg, der mir Spaß macht. Wobei ich noch nicht mal sagen kann, wohin der Weg genau gehen soll.

Naja, und manchmal bin ich auch unsicher, wo das alles hinführen wird. Das darf ich auch sein.