Claudia Kopp Ulrich lebt mit ihrem Rudel in der Nähe von Freiburg und hat sich mit ihrer Berufung Hund gleich mehrere Standbeine geschaffen. Welche das sind und ob sie bei so viel Beschäftigung auch irgendwann mal schläft, erzählt sie uns in ihrem Gastartikel.

Schon als Kind wollte ich unbedingt einen Hund haben. Meine Eltern waren dagegen, wir wohnten in der Stadt – und überhaupt. Ich konnte meinen Hundewunsch erst dann verwirklichen, als ich erwachsen war, mein eigenes Geld verdiente und meine Chefin mir erlaubte, den potentiellen Hund mit zur Arbeit zu nehmen. Nun, letztendlich verstand sich meine Hündin nicht mit der der Chefin und musste zu Hause bleiben.

Fortan war mein Motto: „Alles für den Hund.“ – Erst halbtags arbeiten, in der Mittagspause heimradeln, neuen Job mit hundegerechterer Arbeitszeit suchen, dann zu Hause bleiben, Teilhaberin einer Hundeschule werden, schließlich eine eigene Hundeschule gründen, Seminare besuchen, mehr als einen Hund halten, Tierheilpraktikerin werden, mehr als zwei Hunde halten, Terrier züchten, ein Rudel halten, wegen der Terrier den Jagdschein machen, ein Buch über Rudelhaltung schreiben und eins über Terrier, sowie praktisches und edles Hundezubehör herstellen, so lautet die Kurzfassung.

Das Rudel ist ein Ganztagsjob

Tatsächlich sind Hunde mein Leben. Durch die Rudelhaltung habe ich so viel von und mit ihnen gelernt und bin sehr dankbar dafür. Ich kann meinen Traum leben, den ganzen Tag mit dem Rudel zusammen sein und weiter lernen. Das Rudel ist ein Ganztagsjob. Alles andere mache ich nebenher aber nicht mal eben nebenbei. Denn alle meine Teilberufe verlangen die ganze Aufmerksamkeit. Im Hundetraining ist es mein Anliegen, dem Mensch-Hund-Team ein besseres gegenseitiges Verständnis sowie eine zielführendere Kommunikation zu vermitteln. Dazu gehört auch, die Wahrnehmung des Menschen dahingehend zu schulen, dass er oder sie auch feine Signale des Hundes besser erkennt und einordnen kann. Denn ohne Kommunikation gibt es weder Beziehung noch Erziehung.

Direkt zum Hundetraining gehört die tierheilpraktische Begleitung. Häufig können Beziehungs- oder Erziehungsprobleme ergänzend behandelt werden, zum Beispiel dann, wenn der Hund traumatische Erfahrungen gemacht hat. Manchmal ist ein Verhaltensproblem auch schmerzbedingt. Wird diese Ursache nicht erkannt und beseitigt, ist alles Training sinnlos, zuerst muss das Grundproblem gelöst werden.

Mein Rudel hilft mir bei der Arbeit

Eine sehr große Hilfe für alle Erkenntnisse und Trainingsansätze ist mein Rudel, das momentan aus 13 Terriern und einem rumänischen Schäferhund besteht. Terrier können einem einiges abverlangen – letztlich geht es aber immer darum, schlauer und kreativer als der Terrier zu sein. Und deshalb gibt es bei mir auch kein 08/15 Training, sondern individuell abgestimmte Problemlösungen für das jeweilige Mensch-Hund-Team.

Durch die Zucht und das Heranwachsen meiner jeweils nächsten Generation ergeben sich für mich immer wieder spannende Beobachtungen darüber, wie Rudel und Familie bei meinen Hunden funktioniert, wo sich Probleme ergeben können, und in welchen Altersstufen größere Entwicklungsschritte beim jeweiligen Hund passieren. Ein Großteil meines Rudels ist bereits in Rente, das heißt 9-14 Jahre alt. Besonders die Erfahrungen mit den alten Hunden möchte ich keinesfalls missen. Wir können uns aufeinander verlassen, akzeptieren die Marotten des anderen und sorgen für einander. Das ist wunderschön, wenn ich auch die älter werdenden Schätzchen oft mit Wehmut betrachte und sehr froh bin, wenn sie alle soweit gesund sind.

Hundeleinen fertigen, Bücher schreiben und verlegen, ..

Und da ich auch ein sehr kreativer Mensch bin, habe ich 2009 angefangen, Halsbänder zu entwerfen. Eigentlich wollte ich am Anfang nur Halsbänder in Tarn- und Signalfarben machen – aber dann ist es irgendwie mit mir durchgegangen und es hat sich fast ohne mein Zutun ein umfangreiches Sortiment entwickelt, das ich unter dem Namen „Die kleine Hundewerkstatt“ anbiete.

2015 habe ich mein zweites Buch im Eigenverlag, dem Terrier-Verlag, veröffentlicht, die englische Version folgte 2017. Weitere Projekte liegen derzeit in der Schublade und harren der Dinge, z. B. ein Welpenbuch und ein Rudelbuch. Die Homepages zu den Arbeitsfeldern Hundeschule Ulrich, Tierheilpraxis, Hundewerkstatt und Terrier Verlag, mache ich ebenfalls selbst. Manch Kunde hat mich schon gefragt, wann ich denn eigentlich schliefe – ja, ich schlafe auch gelegentlich, aber ansonsten genieße ich das riesengroße Glück, meinen Traum zu leben und dabei dreht sich alles um den Hund.