Tierärztin. Das wollte ich unbedingt werden. Als Vierjährige schon. Und ich wäre eine verdammt gute – dieses Gefühl habe ich jedenfalls tief in mir drin. Da es damals aber bei den Aufnahmeprüfungen an der Breslauer Uni auch Physik auf dem Programm stand, habe ich  gekniffen. In Physik bin eine glatte Null. Stattdessen bin ich Journalistin und Konzepterin geworden. Doch der Wunsch, auch beruflich mit Tieren zu tun zu haben, hat mich nie losgelassen.

Hundezubehör: Von glücklichen Zufällen

Hundedecke fürs Auto oder Outdoor-Hundedecke von Unique Dog

Outdoor- oder Autodecke aus hochwertigen Reststoffen, im Zaum gehalten durch einen recycelten Fürtel, überwacht von Shila

Und da ich vor ein paar Jahren meinen Lebensstil radikal geändert habe – vom konsumorientierten  zum nachhaltigen –, entstand die Idee, Umwelt- und Tierschutz auch in mein Geschäftskonzept einzubinden. 2014 habe ich SECOND HOUND ins Leben gerufen, eine Marke für nachhaltiges Hundezubehör.

Die Idee fußte auf einem Zufall: Als Moderedakteurin hatte ich in meinem Schrank damals Unmengen an Kleidung hängen – meine Hündin Shila aber keine ordentliche Decke. Als ich im Handel nicht fündig geworden bin, habe ich mich an die Nähmaschine gesetzt und aus meinem kaum getragenen, traurig im Schrank hängenden Sommermantel eine Hundedecke genäht. Sie war nicht nur schön und robust, sondern auch sinnvoll. Und ich aufgelöst vor Freude, DIE Entdeckung des Jahres gemacht zu haben. Verwertung statt Verschwendung! An sich nicht neu, das war mir klar, aber in der Haustierbranche noch gar nicht etabliert. Ob eine überflüssige Klamotte oder ein verschließenes Lieblingskleidungsstück – man rettet es von der textilen Nirwana und kreiert daraus etwas Sinnvolles für den Hund. Ressourcensparend, individuell und emotional behaftet. Wenn das nicht genial ist.

Hundeshop: Von intelligenten Wortspielen

Der Name SECOND HOUND – der mich übrigens sechs Wochen Brainstorming gekostet hat – sollte sowohl die Assoziation mit second hand wecken, weil die Hundeaccessoires aus Gebrauchtkleidung angefertigt werden, als auch das hintergründige Konzept transportieren: direkt übersetzt heißt SECOND HOUND ja „der zweite Hund“ und eben diesem hilft der Kunde mit seinem Einkauf. Im Preis meiner Sachen wird nämlich eine Tierschutzspende integriert. Von der Idee bis zur Umsetzung hat es nur sechs Monate gedauert. Ich habe auf Akkord genäht, einen Laden in Berlin-Friedrichshain aufgemacht, einen E-Shop aufgesetzt und arbeitete an dem großen Durchbruch, der SECOND HOUND für alle Hundehalter bringen sollte.

Hundeträume: Von missverstandenen Ideen

Der Durchbruch kam nicht. Stattdessen die Erkenntnis, dass die meisten Menschen den Namen missverstehen – das Gros der Kunden dachte, es ist ein Second Hand mit gebrauchtem Hundezubehör – und dass ein nachhaltiges Konzept allein nicht reicht, um die Massen zu begeistern. Gerade wenn der Hundeladen nicht in einer touristisch attraktiven Straße liegt. Ich musste mich von meinem geliebten kleinen Geschäft trennen, aber nicht von meiner Überzeugung, mit meinem Engagement die Welt etwas besser zu machen. Ich habe einen anderen Namen für meine Idee kreiert: UNIQUE DOG.

Nachhaltiges Hundezubehör von Unique Dog

Aus Used Jeans und Gurtband-Resten entstehen im Atelier von UNIQUE DOG Halsbänder, Leinen und Geschirre

Er setzt auf die Einzigartigkeit – sowohl der Hundepersönlichkeiten als auch der genähten Accessoires, die meist als Unikate und Kleinserien entstehen – und ist neutral genug, um keine falschen Assoziationen zu wecken. Das Sortiment habe ich gleichzeitig um Bio-Stoffe erweitert, weil nicht jeder auf Upcycling steht – auch eine Lehre, die ich aus den ersten 12 Monaten meiner Tätigkeit gezogen habe. SECOND HOUND als Marke lebt allerdings weiter, sie ist nur in den Hintergrund getreten. Das Etikett ziert nach wie vor die Upcycling-Produkte, die mein Atelier verlassen, und ist auch für besondere Projekte gut geeignet, wie das der Gassitasche, die zu 95% aus Upcycling-Elementen besteht und noch in Arbeit ist. Eins meiner Zukunftsprojekte.

Hundeunternehmen: Von grünen Träumen

Das Nähen und Verkaufen ist aber nicht meine einzige Einkommensquelle. Ehrlich gesagt ist es nur meine Nebentätigkeit. Meinen Unterhalt verdiene ich mit Schreiben, Online-Konzeption und Suchmaschinenoptimierung. Hauptsächlich, weil ich ein Unruhegeist bin und Abwechslung wie die Luft zum Atmen brauche. Aber auch, weil ich Worte und das Feilen mit ihnen einfach liebe. Aus meinen früheren beruflichen Tätigkeiten, noch im Angestelltenverhältnis, bringe ich die Expertise, wie man Google zähmt und die Webseiten benutzerfreundlich gestaltet.

Von Natur aus – meinem Vater, dem Wortjongleur sei Dank – bin ich mit einem Schreibtalent ausgestattet. Doch kann man mit Worten die Welt verbessern? Das sicherlich nicht, aber eine Lawine lostreten, die den Stein ins Rollen bringt – das kann man mit Worten sehr wohl. Deswegen habe ich mich nach meinem Erstlingswerk „Stadtführer für Hunde: Unterwegs in Freiburg und dem Schwarzwald“ einem Buchprojekt gewidmet, das die Ambition hat, die Hundehalter aufzurüttelnd und den Weltuntergang wenigstens etwas hinauszuzögern. „Grüner Hund – Handbuch für nachhaltiges Hundeleben“ soll ein Ansporn sein, das eigene Verhalten und seine Konsequenzen für den Hund und die Umwelt zu reflektieren. Es ist bisher mein größtes Schreibprojekt, das mich ein Jahr Arbeit gekostet hat. Jetzt bin ich kurz vorm Ziel und hoffe, mit dem Buch etwas Wichtiges zu bewirken.

Grüner Hund - Handbuch für nachhaltiges Hundeleben

„Grüner Hund“, mein Lieblingsbabdy und die große Hoffnung, die Hundebranche zu verändern

Hundefreakness: Von eigenen Möglichkeiten

Heute trennen mich vier Jahre von der Gründung. Ich habe sicherlich viel von meiner Naivität dem Geschäftsleben gegenüber verloren, aber nichts von meinen Träumen eingebüßt. Ich weiß jetzt, wie hinderlich Perfektionismus werden kann und wie wichtig – gerade bei einer kreativ-chaotischen Natur wie die meine  – der Fokus bleibt. Ich kenne Enttäuschung und Frust, ich weiß, wie sich Existenzängste und das Gefühl der Machtlosigkeit anfühlen. Ich bin ganz sicherlich keine geborene Geschäftsfrau – dafür sind meine Ellenbogen viel zu weich und das Interesse für Zahlen für zu gering. Doch ich gehe meinen eigenen grünen Weg und versuche trotz aller Widrigkeiten meinen Traum zu leben. Täglich fechte ich mit meinem kleinen E-Shop den Kampf aus: gegen die übermächtige Konkurrenz der virtuellen Shopping Malls, gegen das preisorientierte Konsumverhalten vieler Kunden, gegen die fehlende Zahlungsmoral und gegen die Ignoranz, die  viele Hundehalter an den Tag bringen und die mich immer noch bis ins Mark trifft.

Meiner Schreibleidenschaft und den grünen Zielen treu, arbeite ich auch mit dem hündischen Lifestyle-Magazin Urban Dog zusammen, für das ich Textbeiträge verfasse, die nachhaltige Produkte und hundefreundliche Konzepte im Fokus haben. Und stets habe ich das Gefühl, mehr tun zu müssen. Mehr für meine eigenen zwei Hündinnen, mehr für andere Tierschutzhunde, mehr für die Welt. Ich hoffe, irgendwann anzukommen und das Gefühl zu genießen, genug getan zu haben.

Mehr von mir lesen:
„Grüner Hund – Handbuch für nachhaltiges Hundeleben“
Stadtführer für Hunde – Freiburg und Schwarzwald“

Einstiegsfoto: Kinga Rybinska mit Shila und Fasa, © Fotografie Anke Peters
Alle anderen Fotos in dem Beitrag: © Kinga Rybinska